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Johann Wolfgang Baumgartner

1702 Ebbs – 1761 Augsburg

* 1702 Ebbs bei Kufstein, † 7.9.1761 Augsburg.

Johann Wolfgang Baumgartner erlernte erst das Schmiedehandwerk bei seinem Vater, bevor er sich der Kunst zuwandte. Nach der Lehre in seinem Heimatort begab er sich nach Salzburg, wo er von einem Musiker in der Hinterglasmalerei instruiert wurde. Dieser Aspekt des frühen Schaffens war zwar bereits seit langer Zeit bekannt, jedoch mangelte es – wohl auch aufgrund der Fragilität des Materials – an Werken dieser Gattung von der Hand Baumgartners. 2009 konnten auch einzelne seiner Hinterglasbilder im Rahmen einer monographischen Ausstellung im Salzburger Barockmuseum der Öffentlichkeit präsentiert werden. Nach der Ausbildung in Salzburg brach Baumgartner zu einer mehrjährigen Studienreise auf, die ihn durch Italien, das Gebiet des heutigen Österreich, Ungarn und Böhmen führte. Im Anschluss daran ließ er sich in Augsburg nieder, wo er 1731 Anna Katharina Meyr ehelichte. Die Ernennung zum Bürger sowie die Aufnahme in die Malerzunft gelangen ihm jedoch erst 1746.

Auch wenn Johann Wolfgang Baumgartner heute insbesondere als großartiger Skizzist für die "Tägliche Erbauung eines wahren Christen" bekannt ist, war er auch als Freskant und als Maler von Altarbildern im süddeutschen Raum tätig (u. a. Gersthofen, Bergen bei Neuburg an der Donau, Loretokirche auf dem Kobel bei Augsburg, Baitenhausen am Bodensee; vgl. auch Belvedere, Inv.-Nr. 2063). Darüber hinaus sind auch wenige Kabinettstücke von seiner Hand bekannt, von denen sich zwei im Belvedere befinden: Die "Zurückweisung der Kaiserin Eudoxia durch den heiligen Johannes Chrisostomus" (Inv.-Nr. 4340) und "Der heilige Ambrosius verwehrt Kaiser Theodosius den Eintritt in den Mailänder Dom" (Inv.-Nr. 4339). In Bezug auf die Anzahl beeindruckt jedoch der Anteil an den Illustrationen zu Joseph Giulinis "Erbauung" (1753 bis 1755 in vier Bänden erschienen): Baumgartner lieferte hierfür binnen zweieinhalb Jahren 278 (oder gar 279) farbige Ölskizzen, von denen heute etwa 50 Stück bekannt sind. Bemerkenswert ist hierbei auch, dass er in Farben skizzierte, wo ansonsten Grisaillen als Vorlagen für Druckgrafiken üblich waren. Auch Franz Sigrist, der herausragende Grisaillen geschaffen hat und zur Mitwirkung an den Illustrationen der "Erbauung" berufen wurde, führte seine 63 Ölskizzen in Farbe aus (vgl. Belvedere, Inv.-Nr. 3397). Immerhin galten die Vorlagen für die Kupferstiche bereits zur Entstehungszeit als Besonderheit, sodass sie bereits 1756 sämtlich (!) in der Augsburger Akademie ausgestellt wurden. Darüber hinaus ist anzumerken, dass Baumgartner auch für andere Augsburger Verleger eine stattliche Anzahl von Entwürfen lieferte.

Gewiss war es für Johann Wolfgang Baumgartner nicht einfach, im künstlerisch gut versorgten Augsburg (man denke etwa an Johann Evangelist Holzer oder Johann Georg Bergmüller) seinen Platz zu finden. Die große Anzahl der Ölskizzen zeigt neben den umfangreichen Freskierungen, dass Baumgartner sowohl überaus rasch arbeitete, als auch eine besondere Erfindungsgabe besaß. Die Entwicklung von den etwas spröden Hinterglas-Veduten seines Frühwerks hin zu der als selbstverständlich anmutenden Leichtigkeit seines letzten Schaffensjahrzehnts ist ohne Zweifel bemerkenswert und ließ ihn zu einem der renommiertesten Augsburger Künstler werden.

[Georg Lechner, 8/2011]