Belvedere Museum Wien - Highlights der Sammlungzum Inhalt springen
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Gustinus Ambrosi, Heinrich Angeli, 1920, Gips, H: 51 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. A 195

Heinrich von Angeli

1840 Ödenburg/ Sopron – 1925 Wien

* 8.7.1840 oder 9.7.1840 Ödenburg/ Sopron (Ungarn), † 21.10.1925 Wien.

"Heinrich von Angeli wurde am 8. Juli 1840 im ungarischen Sopron (damals Ödenburg) geboren, wo seine Eltern ein Gasthaus betrieben. Seine Vorfahren, die einer altadeligen Patrizierfamilie aus Venedig entstammten, waren seit dem 16. Jahrhundert in Tirol ansässig. Schon sehr früh machte sich eine ausgeprägte künstlerische Begabung bemerkbar. Von seinen Eltern nach Wien gesandt, erregte er als 13jähriger durch ein in altmeisterlichem Stil gehaltenes Selbstportrait in Öl Aufsehen, ohne bis dahin systematischen Malunterricht erhalten zu haben. Erst im Jahr danach erreichte er das Aufnahmealter für die Akademie der bildenden Künste. 1856 wechselte er an die Kunstakademie in Düsseldorf. Bald studierte er bei dem damals berühmten Historienmaler Emanuel Leutze, der ihm eine Assistentenstelle anbot. Auf Anraten des Landschaftsmalers Andreas Achenbach schlug er dieses Angebot jedoch aus und ging nach München (1858), wo er noch für kurze Zeit an der Akademie studierte, insbesondere bei dem Historienmaler Karl von Piloty, und dann ein selbständiges Atelier eröffnete. 1859–62 malte er im Auftrag von König Ludwig I. von Bayern verschiedene Historienbilder, z.B. 'Ludwig XI. von Frankreich, den heiligen Franz von Paula um Verlängerung seines Lebens bittend' und 'Antonius und Kleopatra'.

1862 schließlich kehrte er nach einem Umweg über Paris nach Wien zurück, wo er sich dauerhaft niederließ. Dort setzte sich sein Erfolg fort und er wurde durch Genrebilder wie 'Der Rächer seiner Ehre' zu einem der gefragtesten Maler des Historismus. Schon bald kam er durch die Nachfrage des Publikums und eigene Neigung zur Portraitmalerei, die er für den Rest seines Lebens ausschließlich und mit größten Erfolg betrieb. Seine Glanzzeit begann in den 1870er Jahren, wo er der bevorzugte Portraitist von Adel und vornehmem Bürgertum und der Liebling der Wiener Gesellschaft wurde. Angelis Ruhm reichte aber weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Er portraitierte den Hochadel und die Herrscherhäuser in Wien, Berlin, St. Petersburg und London. Ein besonderes, geradezu freundschaftliches Verhältnis verband ihn mit Queen Victoria, von der er seit 1875 bei seinen regelmäßigen Aufenthalten in London (mit einem eigenen Atelier im Buckingham-Palast) insgesamt 22 Bilder malte.

Das preußische Kronprinzenpaar Victoria und Friedrich Wilhelm lernte Angeli auf der Wiener Weltausstellung von 1873 kennen. Lebhaft an der Kunst interessiert, luden sie ihn sogleich nach Potsdam ein und er malte Portraits des Kronprinzenpaars (Hochzeitsgeschenke für den Herzog von Edinburgh). Am Berliner Hof befreundete er sich mit dem genialen Adolf von Menzel. In den folgenden Jahren schuf er wiederholt Portraits der Kronprinzessin, später auch ein Bild der Kaiserinwitwe Friedrich, daß [sic!] zur Ikone ihrer Witwenzeit wurde.

Heinrich von Angeli erfreute sich durch seinen persönlichen Charme und seine Qualitäten im gesellschaftlichen Umgang (er war ein glänzender Unterhalter und Anekdotenerzähler und ein talentierter Sänger) bei Publikum, Auftraggebern und Kollegen großer Beliebtheit. Seit 1869 war Angeli zu wiederholten Malen Vorstand der Künstlergenossenschaft Wien.

Angelis Erfolg als Portraitist kam nicht von ungefähr. Vornehmes Arrangement, elegante Darstellung und lebhafte Koloristik charakterisieren seine Gemälde. Er vermied Theatralik und affektierte Posen und konzentrierte sich auf die Erfassung der Persönlichkeit des Dargestellten. Der wichtigste Teil seines Oeuvres stellt ein Bilderbuch der führenden Gesellschaftsschicht Mitteleuropas zur Zeit des fin de siècle dar.

Heinrich von Angeli blieb bis ins hohe Alter als Portraitmaler tätig. Er starb am 21.10.1925 in Wien."

[aus: Reinhardt, Joachim: Die Kaiserin Friedrich, Frankfurt, URL: http://www.kaiserinfriedrich.de/angelibio.html (08.06.2010)]