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Franz Xaver Messerschmidt

1736 Wiesensteig – 1783 Pressburg/ Bratislava

* 6.2.1736 Wiesensteig bei Geislingen, † um 19.8.1783 Pressburg.

Nach dem Tod des Vaters Übersiedelung mit der Mutter zu deren Bruder, dem Hofbildhauer Johann Baptist Straub, bei dem er mehrere Jahre in der Lehre war. Danach erhielt er in Graz bei seinem anderen Onkel, Philipp Jakob Straub, eine zweijährige bildhauerische Ausbildung. Erstmals nachweisbar in der Schülerliste der Wiener Akademie ist er mit dem 4.11.1755. Lernte unter den Professoren Jakob Schletterer und Matthäus Donner. Der Rektor, Hofmaler Martin van Meytens, vermittelte dem mittellosen Messerschmidt eine Anstellung am Wiener Zeughaus als "Stuckverschneider". Die ersten bekannten Arbeiten sind die 1760 für das Zeughaus angefertigten Bronzebüsten der Kaiserin Maria Theresia und ihres Gemahls. Weitere Aufträge folgten: für das Zeughaus Bildnisrelief Joseph II. und seiner Gemahlin Isabella von Parma, für den Hof die überlebensgroßen Bleistatuen Kaiserin Maria Theresias und Franz I. von Lothringen.

Wenige Sakralplastiken Messerschmidts: Bleigruppe einer Immaculata, trauernde Maria und einen Johannes aus Marmor für älteres Kruzifix in der Savoyanischen Kapelle, Brunnengruppe im Hof 1770.

Ein Hauptwerk Messerschmidts ist die von der Kaiserin für die medizinische Fakultät bestellte Büste ihres Leibarztes, Gerard van Swieten, die Ende Juli 1769 vollendet wurde. Am 11.3.1769 wurde er zum Mitglied der Akademie gewählt (Grundlage dafür waren die Büsten des Kunsttheoretikers Franz Christoph v. Scheyb und Martin van Meytens). Messerschmidt wurde gleichzeitig stellvertretender Professor für Bildhauerei an der Akademie, 1774 frühzeitig pensioniert.

Anfang der 1770er Jahre brach die psychische Erkrankung Messerschmidts aus, dies führte zur Serie der sogenannten "Charakterköpfe", die er bis zu seinem Tod weiterführte. 1775 übersiedelte er wieder in die Nähe seines Geburtsortes. Im selben Jahr dürfte die Büste "Die Religion" entstanden sein, ein Teil des Grabmals für die Ehefrau von Johann Baptist Straub. 1777 ging er nach Pressburg (nach vergeblichen Versuchen um eine Anstellung in München) zu seinem Bruder Johann Messerschmidt, der als Bildhauer tätig war. 1780 erwarb er ein Haus in der Pressburger Vorstadt Zuckermantel, arbeitete dort weiter an den "Charakterköpfen". Messerschmidt fertigte kleinere Arbeiten, in erster Linie Porträtmedaillons aus Alabaster, um Geld zu verdienen.

Messerschmidt wurde posthum bekannt durch seine "Charakterköpfe", die teils in Bleilegierung, teils in Alabaster ausgeführt sind. Erhalten geblieben sind 54 von 69 Köpfen.

[aus: Baum, Elfriede: Katalog des Österreichischen Barockmuseum im Unteren Belvedere in Wien, Bd.1, Wien, München 1980 (Österreichische Galerie Wien, Kataloge, 2)]