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Jacques Louis David, Napoleon am Großen St. Bernhard, 1801, Öl auf Leinwand, 246 x 231 cm, Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 2089

Klassizismus | Romantik

Seinen Ausgangspunkt fand der Klassizismus in Italien, richtungweisende Impulse erhielt er aus der französischen Malerei. Die Künstler wandten sich bewusst von der bewegten, überbordenden Formensprache des Barock ab und strebten nach Ruhe im Ausdruck und Klarheit in der Silhouette.

Neben Werken der Hauptvertreter des Klassizismus Jacques-Louis David und François Gérard besitzt das Belvedere auch Arbeiten von bedeutenden Künstlern wie Josef Rebell, Jakob Philipp Hackert, Angelika Kauffmann und Friedrich Heinrich Füger.

Historische und literarische Themen waren im Klassizismus sehr beliebt, demgemäß genoss die Historienmalerei höchste Achtung. Aber auch aktuelle Ereignisse fanden ihren Niederschlag, zunächst in der französischen Malerei, die damit den propagandistischen Ambitionen Napoleons entgegenkam. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Reiterdarstellung "Napoleon am Großen St. Bernhard" von Jacques-Louis David (1801).

Ungefähr zur selben Zeit entstand auch das Familienporträt Moritz Christian Reichsgraf von Fries mit seiner Frau Maria Theresia Josefa und dem Sohn Moritz (um 1804) des französischen Künstlers François Gérard. Das großformatige Gemälde steht mit seinen klaren, kräftigen Farben und der straffen Linienführung im Gegensatz zur englischen Maltradition, deren Formensprache sich über einen schwungvollen Farbauftrag definiert und in der Ausführung eher andeutend als beschreibend ist. Angelika Kauffmann, die viele Jahre in England lebte, vermittelt diesen Malstil im Porträt von John Simpson (1773), einer ihrer vorzüglichsten Personendarstellungen.

Die vielseitigste österreichische Künstlerpersönlichkeit in der Zeit um 1800 war Friedrich Heinrich Füger. Er war Direktor der Wiener Kunstakademie, anschließend leitete er die Kaiserliche Gemäldegalerie im Belvedere. Bei seinen Zeitgenossen erlangte er durch die Historienmalerei Bedeutung, die Nachwelt aber schätzt ihn vor allem wegen seiner Porträtdarstellungen. Das Gemälde seiner Frau, der Schauspielerin Josefa Hortensia Füger (um 1797), zeigt, wie sensibel der Maler die Persönlichkeit seines Modells hervorkehrte und nebenbei auch die damals gängige Darstellungsform der westeuropäischen Porträtmalerei aufgriff und in seine persönliche Formensprache übersetzte.

Die Hinwendung zur wahrheitsgetreuen Wiedergabe des Gesehenen ist im ausgehenden 18. Jahrhundert insbesondere in der Landschaftsmalerei erkennbar. So strebte etwa der Italienreisende Jakob Philipp Hackert bereits früh nach der Wiedererkennbarkeit des dargestellten Naturausschnitts, wie sein Werk "Wasserfälle von Tivoli" (1790) zeigt. Mit im hellen Tageslicht wiedergegebenen und von Sonnenlicht durchfluteten Ansichten der Gegend um Neapel leitete Josef Rebell wenige Jahre später bereits zur realistischen Landschaftsmalerei in der sogenannten Biedermeierzeit über.

Die romantischen Strömungen des beginnenden 19. Jahrhunderts sind im Belvedere durch mehrere bedeutende Werke vertreten. Die vorzüglich gemalten Landschaftsdarstellungen von Caspar David Friedrich, einem der Hauptvertreter der Romantik, sind nicht auf das Abbild der Umwelt beschränkt, sondern versuchen, das Verhältnis von Mensch und Natur auszuloten. So sind die turmförmig hochragenden Sandsteinsäulen in der 1822/23 gemalten Felsenlandschaft im Elbsandsteingebirge dramatisch überhöht, wodurch die Fläche im Vordergrund unwegsam und gefahrvoll erscheint.

Der Tiroler Künstler Josef Anton Koch versuchte dagegen, die göttliche Schöpfung in seinen Naturdarstellungen zu bannen, wie das Gemälde "Berner Oberland" (1815) zeigt. Mit seiner Überführung der klassischen Ideallandschaft in die heroische Berglandschaft wollte er, wie er selbst sagte, eine totale Vorstellung geben von dem Alpenwesen.

In eine andere Richtung führte das Gedankengut einer Gruppe junger Künstler, der Nazarener. 1809 hatten sie sich in Wien zum Lukasbund zusammengeschlossen, ihr Streben richtete sich gegen die akademischen Prinzipien, sie verweigerten das Zeichnen nach den Antiken und lehnten den Kolorismus des Barock ab. Die Gruppe orientierte sich an mittelalterlichen Idealen, widmete sich der italienischen Malerei der Frührenaissance und nahm Künstler wie Albrecht Dürer und Raffael zum Vorbild. Ihre Mitglieder strebten nach Beruhigung in der Komposition und im Ausdruck. Dabei konzentrierten sie sich auf religiöse Sujets und versuchten, Glaubensinhalte im Bild empfindbar zu machen. 1810 brachen sie nach Rom auf. Einer ihrer Anhänger war der viel zu jung verstorbene Wiener Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, dessen Tote heilige Caecilia ein Hauptwerk der österreichischen Nazarener darstellt.

Künstler wie Josef von Führich, Leopold Kupelwieser, Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld und Moritz von Schwind bildeten eine Schnittstelle zwischen der religiösen Romantik und der Historienmalerei. Um die Stellung des 1804 begründeten österreichischen Kaiserreichs zu festigen, wählten sie Themen aus der Geschichte der Habsburger, die eine enge Verknüpfung zwischen dem Erzhaus und der katholischen Kirche verdeutlichten. Häufig dargestellt wurden etwa der Stammvater Rudolf von Habsburg sowie Kaiser Maximilian I.


Neoclassicism originated in Italy and French painting provided impetus that pointed the way ahead. Artists deliberately turned away from the dramatic movement and opulence of the Baroque style and aspired to calm expression and clarity of outline.

In addition to works by the leading masters of Neoclassicism Jacques-Louis David and François Gérard, the Belvedere owns paintings by other key artists, such as Josef Rebell, Jakob Philipp Hackert, Angelica Kauffmann, and Friedrich Heinrich Füger.

Subjects from history and literature were particularly popular in the era of Neoclassicism and so history painting enjoyed the greatest prestige. Yet current events also made an appearance. These first emerged in French painting to serve Napoleon’s propagandist ambitions, of which the equestrian painting showing "Napoleon on the Great St. Bernhard Pass by Jacques-Louis David" (1801) is a striking example.

At approximately the same time, the French artist François Gérard painted the family portrait The Imperial Count Moritz Christian von Fries with his Wife Maria Theresia Josepha and their Son Moritz (c. 1804). This large-scale painting reveals clear, bold colours and precise lines in contrast to the British painting tradition that is characterized by spirited brushwork and an execution that tended more to suggestion than description. Angelica Kauffmann, who lived in England for many years, conveys an impression of this painting style in her portrait of "John Simpson" (1773), one of her most superb portrayals.

The most versatile Austrian artist in the period around 1800 was Friedrich Heinrich Füger. He was the Director of the Vienna Art Academy and was later in charge of the Imperial Picture Gallery at the Belvedere. Among his contemporaries he was renowned for his history painting but posterity has remembered him most for his portraits. The painting of his wife, the actress Josefa Hortensia Füger (c. 1797), draws out the personality of his sitter with great sensitivity while at the same time adopting the current mode of Western European portraiture in his own personal idiom.

The move toward a true-to-life depiction of the visible world in the late eighteenth century is most evident in landscape painting. Jakob Philipp Hackert, who frequently travelled in Italy, is a case in point. Even early on, he aimed to depict a recognizable scene, as demonstrated by his work "Waterfalls at Tivoli" (1790). A few years later, Josef Rebell captured sun-drenched views from around Naples in brilliant daylight, anticipating the realistic landscapes of the so-called Biedermeier era.

The Romantic movement in the early nineteenth century is represented at the Belvedere by a number of important works. The superbly painted landscapes by Caspar David Friedrich, a leading figure in Romanticism, are not confined to a mere representation of the world around but try to fathom the relationship between humanity and nature. The sandstone columns in his Rocky Landscape in the Elbe Sandstone Mountains of 1822–23, tower upward, dramatic and sublime, making the area in the foreground appear dangerous and practically impassable.

By contrast, the Tyrolean artist Josef Anton Koch aimed to capture divine creation in his images of nature, as shown in his painting "Bernese Oberland" (1815). By transforming the classical ideal landscape into the heroic mountainous scene he aspired, as he himself stated, to give a total impression of the essence of the Alps.

The philosophy of a group of young artists, the Nazarenes, pointed in another direction. In 1809 they had formed the Brotherhood of St. Luke (Lukasbund) in Vienna as a reaction against academic principles. They refused to draw from antique models and rejected Baroque colourism. Instead, the group returned to medieval ideals, they were dedicated to Early Renaissance Italian painting, and emulated artists such as Albrecht Dürer and Raphael. Their members strove for serenity both in the compositions and spirit of their works. They concentrated on religious subjects and tried to give tangible expression to their faith. In 1810 they embarked for Rome. One member of the group was the Viennese artist Johann Evangelist Scheffer von Leonhardshoff, who died so prematurely and whose Dead Saint Cecilia is a masterpiece of the Austrian Nazarenes.

Josef von Führich, Leopold Kupelwieser, Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, and Moritz von Schwind were all artists who worked on the cusp between religious Romanticism and history painting. Aiming to secure the status of the Austrian Empire, which had been founded in 1804, they selected subjects from the history of the Habsburgs that revealed a close connection between the imperial family and the Catholic Church. The founder of the dynasty Rudolf of Habsburg and Emperor Maximilian I were frequently depicted.